4. Dezember 2025 | Aktuelles
RUBRIK – FRISCH VEREINT / GRAVEL BURN 2025 – MEIN ABENTEUER IN SÜDAFRIKA
„Fit & Frisch in Kooperation mit Clara Koppenburg“

Südafrika – Sonne, Staub, wilde Landschaften und unendliche Weite. Als ich mich für das Gravel Burn Stage Race entschied, wusste ich nicht genau, worauf ich mich einlasse: sieben Tage, über 800 Kilometer, 11`000 Höhenmeter, Schotterstrassen, Zeltlager, Selbstorganisation – weit weg von meiner Komfortzone.
Schon bei der Vorbereitung merkte ich, dass es die richtige Entscheidung war. Die Vorfreude wuchs, auch wenn der Respekt blieb. Ich packte sorgfältiger als je zuvor, doch das Gefühl, nicht genau zu wissen, was mich erwartet, blieb.
Sieben Tage folgten, die ich nie vergessen werde – mit eisigen Nächten, brennender Sonne, Stürmen, Pannen, großartigen Menschen und Momenten tiefer Dankbarkeit, auf diesem Rad zu sitzen. Gravel Burn war kein normales Rennen – es war ein Erlebnis, das mich verändert hat.

ANREISE, REGEN, ZWEIFEL UND VORFREUDE
Meine Anreise war eine kleine Expedition: Basel – Frankfurt – Johannesburg – Port Elizabeth und schliesslich vier Stunden Autofahrt nach Knysna. Dort traf ich meine fremden Mitbewohner: innen für die ersten beiden Nächte: eine Österreicherin, eine Schweizerin, ein Deutscher – alle supernett und genauso aufgeregt wie ich.
Der Samstag begann mit strömendem Regen. Fotos, Pressekonferenz, Riders’ Meeting, Materialabgabe – ein straffer Zeitplan. Am Vormittag fuhren wir trotz Regen eine kurze Runde Rad. Danach reihten sich Termine aneinander, bis wir am Nachmittag völlig durchnässt und müde wieder im Airbnb ankamen. Ich fühlte mich überfordert und unsicher – die Aufregung kippte kurz in Panik.
Am Abend kochten wir ein Kilo Pasta – Carboloading deluxe – und lagen um 20 Uhr im Bett. Der große Tag konnte kommen.

ETAPPE 1 – KNYSNA NACH AVONTUUR (84 km / 2.100 hm)
Um 5 Uhr weckten mich Regen, Donner und Wind. Niemand glaubte, dass das Rennen so starten würde – aber wir mussten raus. Ich wählte die dicke Regenjacke – die richtige Wahl. Nach neutralisiertem Start ging es direkt steil bergauf. Der Regen peitschte, der Matsch spritzte – und doch war es großartig.
25 Kilometer vor dem Ziel wurde es heikel: rutschige Abfahrten, kaum Sicht, kalte Finger, unsichere Bremsen. Ich ließ die Spitzengruppe ziehen und fuhr sicher und erleichtert auf Platz. Die „Dusche“ war eiskalt, aber immerhin gab es danach Burger, Pommes und heiße Schokolade.

Am Nachmittag musste ich meine Bremsbeläge wechseln, alle Lager am Rad ausbauen und meine Ausrüstung waschen und trocknen. Im Camp brannten Lagerfeuer, um die sich alle sammelten, doch bei Temperaturen zwischen fünf und zehn Grad blieb alles klamm. Nach dem Abendessen kroch ich in mein Zelt, zog jede verfügbare Kleidungsschicht an – fror trotzdem die ganze Nacht. Kein einfacher Start, aber es konnte ja nur besser werden.

ETAPPE 2 – AVONTUUR NACH WILLOWMORE (108 km / 1.150 hm)
Nach der eisigen Nacht war morgens alles gefroren: Gras, Rad, Kette, Bremsen. Das Frühstück war eine Kältelektion, warmer Kaffee unmöglich. Mit dem Startschuss um 7:30 Uhr kam endlich die Sonne. Die ersten Kilometer waren relativ anspruchslos, doch der technisch herausfordernde Anstieg nach 27 Kilometern war so steil, dass ich laufen musste. Ich lernte die konstante Anstrengung des Gravelns kennen: vier Stunden volle Konzentration mit jedem Muskel im Körper im Einsatz.

Im Ziel war ich erschöpft, doch die Stimmung im Bus zurück zum Camp hob dieLaune: alle dreckig, alle müde, alle lachend. Endlich Sonne – Kleidung und Material trockneten, und das Campleben fühlte sich leichter an.

ETAPPE 3 – GRAAFF REINET NACH BLAAUWATER (90 km / 1.450 hm)
Der Start war ein Gänsehautmoment: Hunderte afrikanische Schulkinder jubelten uns zu. Nach 20 Kilometern mein erster Platten – mitten im Nirgendwo. Nach leichten Schwierigkeiten konnte ich ihn dann doch flicken und fuhr allein im Gegenwind durch endlose Landschaften ins Ziel.


ETAPPEN 4–5 – BLAAUWATER BIS MERINO (111–137 km / 1.450–1.600 hm)
Die Etappen waren technisch anspruchsvoll: steile Anstiege, ruppige Abfahrten, starker Wind. Ich lernte, in der Gruppe zu fahren, Angriffen zu parieren und meine Energie klug einzuteilen. In Etappe 4 kämpfte ich erstmals mit den Besten um einen Tagessieg – ein Moment, in dem ich realisierte, dass ich wirklich dazugehöre.

Die „Roadie-Etappe“ gab kurz Erholung, doch auf Gravel folgte wieder Vollgas. Die letzten 15 Kilometer bergauf waren gnadenlos: ruppiger Untergrund, tiefer Sand, jede Pedalumdrehung hart. Belohnt wurde man oben mit einer atemberaubenden Aussicht und einem stimmungsvollen Camp.

ETAPPE 6 – MERINO NACH GWANISHI (144 km / 1.700 hm, Königsetappe)
Eine stürmische Nacht hatte viele Zelte umgeweht; aus Sicherheitsgründen wurde die Etappe neutralisiert. Mir kam das entgegen, denn nach ein paar Kilometern stellte ich fest, dass mein Lenker gebrochen war. Bis zur Verpflegung nach 45 Kilometern musste ich durchhalten – dort bekam ich ein Ersatzrad, leider viel zu groß.
Vor mir standen 100 Kilometer auf einem fremden, mit Hagel, Donner und viel Gegenwind – mein einziges Ziel war, anzukommen. Gegen 16 Uhr erreichte ich völlig erschöpft das Camp und suchte sofort nach einer Lösung für meinen Lenker. Ob ich am nächsten Tag starten könnte, war unklar – eine unruhige Nacht stand mir bevor.


ETAPPE 7 – 112 km / 1.250 hm – ZIELANKUNFT IN SHAMWARI
Am Morgen wurde eine neue Schaltung und ein neuer Lenker montiert – Start frei. Die erste 70 Kilometer waren technische anspruchsvoll, Flussdurchquerungen verlangten volle
Konzentration. Ich hielt Platz sieben im Gesamtklassement, kämpfte um jede Sekunde. Das Highlight: eine Horde Zebras lief mehrere hundert Meter neben mir her.
Auf dem finalen Singletrail konnte ich nicht überholen und wurde Vierte in der Tageswertung und sechste im Gesamtklassement – geschafft! Ich war überw.ltig von meinen Emotionen. Die Abschlussfeier mit afrikanischer Musik, Feuershow und Burgern war der perfekte Abschluss dieser unglaublichen Woche.

ZWEI TAGE SAFARI
Nach dem Rennen blieb ich drei Tage in Port Elizabeth und machte zwei Safaris: Elefanten, Löwen, Giraffen, Nashörner, Büffel – pures Glück. Dieses Abenteuer war das größte meines Lebens: ich wuchs täglich über meine Grenzen hinaus, schloss Freundschaften, fand zu mir selbst und entdeckte die Freude am Radfahren neu. Ich kam zurück mit einem breiten Grinsen – bereit für neue harte Rennen, voller Freude, Respekt und Abenteuerlust.





