11. Februar 2026 | Aktuelles
VIER WOCHEN, EIN TEAM – UND EINE KÜCHE DIE MICH NACHHALTIG BEEINDRUCKT HAT
Die letzten vier Wochen habe ich im Trainingslager mit meinem neuen Team Tudor Pro Cycling Team verbracht. spanische Küste, nahe Calpe. Sonne, lange Anstiege, viele Kilometer – und ein ganzes Hotel nur für uns. Rund 80 bis 100 Menschen, davon etwa 30 Radfahrer, mit einem täglichen Energiebedarf von bis zu 8.000 Kalorien. Training auf höchstem Niveau braucht Struktur, Regeneration – und gutes Essen.
Und genau dort hat mich dieses Trainingslager besonders geprägt.
Unsere drei Teamköche haben die komplette Hotelküche übernommen und uns dreimal täglich bekocht. Nicht irgendwie, sondern richtig gut. Morgens gab es warmen Porridge, Pancakes, viel frisches Obst, gutes Brot, Omelette – ein perfekter Start in lange und intensive Trainingstage. Man merkte sofort: Das Essen sollte uns nicht nur satt machen, sondern Energie geben.
Mittags wurde es pragmatisch – oft gab es „dekonstruiertes Resteessen“ vom Abend davor. Und abends wurde wieder groß aufgetischt: Salate, Pasta, Reis, Gemüse, verschiedene Fleischgerichte. Genau das, was Körper und Kopf nach einem langen Tag im Sattel brauchen.
Weil ich selbst leidenschaftlich gern koche, habe ich viel Zeit in der Küche verbracht. Ich habe mit den Köchen gesprochen, nach Rezepten gefragt – und irgendwann kam die Frage, die mich wirklich interessiert hat:
Wie plant man Essen für so viele Menschen, wenn der Bedarf von Tag zu Tag komplett unterschiedlich ist?
Die Antwort kam mit einem Lachen.
„Das ist das Schwierigste“, sagten sie. „An einem Tag essen die Fahrer Unmengen Brot, wir bereiten mehr vor – und am nächsten Tag wollen plötzlich alle Reis und Pasta. Das Brot bleibt liegen.“
Aber genau hier wurde es spannend. Denn statt Essen wegzuwerfen, haben die Köche gelernt, flexibel zu denken. Übrig gebliebener Reis wurde am nächsten Tag zu einem gebackenen Reisauflauf. Älteres Brot verwandelte sich in Arme Ritter zum Dessert. Gemüseabschnitte und Reste wurden zu aromatischen Suppen. Übrig gebliebenes Obst oder Joghurt landete im Frühstücks-Smoothie. Ganze Hähnchenschenkel, die nicht gegessen wurden, wurden am nächsten Tag zu Pulled Chicken, gefüllt in Wraps mit mexikanischen Saucen.
Fast nichts wurde entsorgt.
Dieses konsequente Zero-Waste-Denken in der Küche hat mich beeindruckt – gerade in einem Umfeld, in dem enorme Mengen verarbeitet werden. Es hat mir gezeigt, dass nachhaltiger Umgang mit Lebensmitteln nichts mit Verzicht zu tun hat, sondern mit Kreativität, Planung und Wertschätzung.
Ich bin aus diesem Trainingslager nicht nur fitter zurückgekommen, sondern auch mit einer Menge neuer Ideen im Kopf. Für Rezepte, für den eigenen Alltag – und für einen bewussteren Blick auf das, was wir oft viel zu selbstverständlich wegwerfen.

Take-home: Zero Waste beginnt im Kleinen
- Reste nicht als Problem sehen, sondern als Ausgangspunkt für neue Gerichte
- Brot, Reis oder Gemüse lassen sich fast immer weiterverarbeiten
- Suppen, Aufläufe und Pfannengerichte sind ideale „Rettungsrezepte“
- Planung hilft – Flexibilität rettet Lebensmittel
- Wertschätzung ist der erste Schritt zu weniger Verschwendung

Mein Rezept: Rumfort-Strudel – alles was rumliegt und fort muss
Die Idee:
Ein fertiger Strudelteig bildet die Basis – gefüllt wird mit allem, was vom Vortag übrig ist. Wichtig ist nur ein Bindemittel, damit die Füllung saftig bleibt und nicht auseinanderfällt. Für Familien ist der Strudel ideal: Er sieht toll aus, macht Kinder neugierig – und man kann ganz nebenbei jede Menge Gemüse unterbringen, das sonst vielleicht nicht gegessen wird.
Zutaten (für 1 Strudel)
Grundlage
- 1 Packung Strudelteig
- Etwas Butter oder Öl zum Bestreichen
Reste nach Vorrat (ca. 400–500 g insgesamt)
- Gekochter Reis, Kartoffeln oder Nudeln, Hülsenfrüchte
- Gegartes oder gebratenes Gemüse, Eintöpfe oder Pfannengerichte
- Sämtliches Fleisch, dass sich zum Kurzbraten eignet
Bindemittel (1–2 Komponenten wählen)
- 1–2 Eier
- 2–3 EL Frischkäse, Quark oder Crème fraîche
Würze
- Salz, Pfeffer, Kräuter nach Geschmack
- Optional: etwas Käse, Nüsse, Oliven

Zubereitung
- Füllung vorbereiten:
Reste grob klein schneiden und in einer Schüssel mischen. Bindemittel unterrühren, bis eine gut gebundene, nicht zu flüssige Masse entsteht. Abschmecken. - Strudel füllen:
Strudelteig auf einem Tuch auslegen, leicht mit Butter oder Öl bestreichen. Füllung länglich auf ein Drittel des Teigs verteilen, Ränder einschlagen und vorsichtig einrollen. - Backen:
Strudel auf ein Backblech legen, mit Butter oder Öl bestreichen und bei 180 °C Ober-/Unterhitze ca. 30–35 Minuten goldbraun backen. - Am besten mit einem frischen Salat aus Endivie, Nüssen und Birne an einer Honig-Senf-Vinaigrette servieren.
Tipp:
Je trockener die Reste, desto saftiger darf das Bindemittel sein – bei Suppen oder Eintöpfen lieber vorher etwas Flüssigkeit reduzieren.





