18. Juni 2026 | Fit & Frisch
333 KILOMETER GEGEN SCHLAMM, STURM UND ZWEIFEL
FIT & FRISCH MIT CLARA KOPPENBURG
Meine Kette sprang erneut vom Ritzel. Ich stand mitten in den Flint Hills von Kansas, durchnässt vom Regen, umgeben von klebrigem Schlamm, und vor mir lagen noch mehr als 300 Kilometer. Für einen kurzen Moment fragte ich mich ernsthaft, was ich hier eigentlich machte.
Willkommen beim Unbound Gravel, dem größten Gravel-Rennen der Welt.
333 Kilometer, über 2’500 Höhenmeter und mehr als elf Stunden Rennzeit – schon unter perfekten Bedingungen gehört dieses Rennen zu den härtesten Herausforderungen im Ausdauersport. Doch Unbound ist nicht nur für seine Distanz bekannt. Gefürchtet ist vor allem der sogenannte „Peanut Butter Mud“. Wer schon einmal versucht hat, Erdnussbutter von einem Messer zu kratzen, kann sich ungefähr vorstellen, wie sich dieser Schlamm verhält. Er klebt an allem. An den Reifen, am Rahmen, an der Kette und tief in der Schaltung. Aus einem leichten Rennrad wird innerhalb weniger Kilometer ein schwerfälliges Gefährt, das sich anfühlt, als würde es bei jedem Tritt gegen einen arbeiten.
Natürlich hatte ich auf trockenes Wetter gehofft. Doch bereits am Tag vor dem Rennen zogen schwere Gewitter über die Flint Hills, die endlosen Hügel der Prärie von Kansas. Stundenlang regnete es. Die Wettervorhersage ließ wenig Raum für Hoffnung, aber ändern konnte ich daran ohnehin nichts. Also konzentrierte ich mich auf das, was ich kontrollieren konnte: die Vorbereitung.
Ein Rennen dieser Länge entscheidet sich nicht nur über die Beine. Verpflegung, Material und Planung spielen eine mindestens genauso große Rolle. Mit nur wenigen Verpflegungszonen musste genau überlegt werden, wie viel Flüssigkeit, Kohlenhydrate und Ausrüstung ich mitnehmen würde. Ersatzschlauch, Werkzeug, Klebeband, eine zusätzliche Batterie für die elektronische Schaltung und sogar ein spezieller „Mud Stick“ zum Entfernen von Schlamm gehörten zu meinem Gepäck. Ich hatte an alles gedacht und fühlte mich bereit, als ich am 31. Mai um 5.45 Uhr mit rund 80 Elite-Frauen an der Startlinie in Emporia stand.

Der Rennstart verlief allerdings alles andere als nach Plan. Bereits nach 15 Kilometern verlor ich auf einer schlammigen Passage die Kontrolle über mein Rad und stürzte. Zum Glück konnte ich rasch wieder aufschließen und mich kurz darauf sogar ganz vorne im Feld positionieren. Das erwies sich als entscheidend, denn wenig später erreichten wir eine mehrere Kilometer lange Schlammpassage. Viele Fahrerinnen mussten absteigen, schieben oder ihr Rad sogar tragen. Mir gelang es, fahrend hindurchzukommen. Plötzlich fand ich mich in der Spitzengruppe wieder und hatte das Gefühl, dass mein Rennen genau so lief, wie ich es mir erhofft hatte.
Doch die Freude hielt nicht lange an.
Mit jedem Kilometer arbeitete sich mehr Schlamm in mein Rad. Zwischen den Schaltröllchen bildeten sich dicke braune Klumpen, die Kette begann zu springen und die Schaltung funktionierte immer schlechter. Bei jedem Tritt hörte ich neue Geräusche und hoffte einfach, dass noch nichts endgültig kaputt gegangen war. Dann fiel die Kette zum ersten Mal herunter. Kurz darauf noch einmal. Und noch einmal.
Jeder ungeplante Stopp kostete wertvolle Zeit.
Bereits nach rund 25 Kilometern musste ich die Spitzengruppe ziehen lassen. Wenig später war ich allein. Mitten im Nirgendwo, im strömenden Regen, noch halb im Dunkeln und mit mehr als 300 Kilometern vor mir.
Die Stimme in meinem Kopf meldete sich sofort.
„Clara, was machst du hier eigentlich?“
Doch Aufgeben war keine Option. Also fuhr ich weiter.
Von Verpflegungszone zu Verpflegungszone. Von Problem zu Problem. Von Gedanken zu Gedanken.
Immer wieder wurde mein Rad kurz abgespritzt, neue Flaschen wurden gereicht und ein paar aufmunternde Worte gewechselt. Viel Zeit blieb nie. Kaum hatte ich meine Betreuer gesehen, verschwand ich schon wieder auf den endlosen Schotterstraßen der Flint Hills.
Besonders in Erinnerung geblieben ist mir ein Abschnitt nach etwa 160 Kilometern. Ein Gewitter zog über die Hügel. Blitze zuckten am Himmel, Donner rollte durch die Prärie und ich fuhr allein durch den Regen. Kein Teamauto, keine Zuschauer, keine Mitfahrerinnen. Nur die Geräusche des Wetters, das Knirschen des Schotters unter den Reifen und meine eigenen Gedanken.

In solchen Momenten wird ein Rennen zu weit mehr als einer körperlichen Herausforderung.
Irgendwann denkt man nicht mehr an Platzierungen. Man denkt nur noch an die nächste Kurve, den nächsten Hügel oder daran, wann man das nächste Mal essen muss. Die Welt wird plötzlich sehr klein. Es geht nur noch darum, weiterzufahren und die Stimme im Kopf zu ignorieren, die immer wieder fragt, warum man sich das freiwillig antut.
Erst nach rund 260 Kilometern hörte der Regen endlich auf. Die Sonne brach durch die Wolken, und obwohl es sofort heiß wurde, tat sie unglaublich gut. Die Kleidung begann zu trocknen, und mit jedem Kilometer wuchs die Hoffnung, das Ziel tatsächlich erreichen zu können.
Rund 50 Kilometer vor Schluss traf ich auf zwei deutsche Fahrerinnen. Zuerst freute ich mich über etwas Gesellschaft. Doch die beiden waren völlig erschöpft.
„Kannst du uns ins Ziel bringen?“, fragten sie mich.
Eigentlich hatte ich selbst kaum noch Reserven. Mein Rücken schmerzte, meine Beine waren leer und Essen oder Trinken fühlten sich längst mehr nach Pflicht als nach Genuss an. Trotzdem setzte ich mich an die Spitze unserer kleinen Gruppe und übernahm die Führungsarbeit.
Irgendwie fühlte es sich richtig an.
Wir waren alle seit Stunden unterwegs. Alle müde. Alles voller Schlamm. Alle kämpften gegen denselben Gegenwind.
Unterwegs schlossen sich weitere Fahrerinnen unserer Gruppe an. Die meisten fuhren im Windschatten, während ich oft vorne blieb. Normalerweise hätte mich das vielleicht gestört. An diesem Tag war es mir egal. Wir waren längst nicht mehr nur Konkurrentinnen. Wir waren Menschen, die gemeinsam versuchten, eines der härtesten Rennen ihres Lebens zu beenden.
Insgeheim musste ich über mich selbst lachen. Nach über 280 Kilometern fühlte ich mich wie ein heiliger Samariter auf zwei Rädern.
Mit jedem Kilometer wurde klarer, dass ich es schaffen würde. Viele Stunden lang war das alles andere als selbstverständlich gewesen. Mein Ziel vor dem Start war nie eine bestimmte Platzierung. Ich wollte einfach nur ankommen.
Dann kam der letzte Kilometer.
Noch einmal führte die Strecke einen kurzen, steilen Anstieg hinauf. Plötzlich fanden einige Fahrerinnen doch noch Reserven und attackierten. Nach über elf Stunden Rennen musste ich schmunzeln. Offenbar hatten manche noch etwas Energie übrig.
Ich nicht.
So rollte ich schließlich als 18. ins Ziel.
In diesem Moment spielte die Platzierung kaum eine Rolle. Ich konnte kaum noch stehen. Schlamm klebte überall – in den Haaren, den Augen, den Ohren. Mein Rücken schmerzte bei jeder Bewegung, und der Dreck in der Radhose hatte sich über Stunden wie Schmirgelpapier angefühlt.
Und trotzdem war da dieses riesige Gefühl von Freude.
Vor dem Rennen hatte ich mir nur ein Ziel gesetzt: ankommen.
Nach 333 Kilometern durch Regen, Schlamm, Gegenwind, technische Probleme und unzählige Zweifel hatte ich genau das geschafft.
Als mich mein Support-Team im Ziel empfing, fiel die gesamte Anspannung der vergangenen Tage von mir ab. Die Rückschläge, die Sorgen und die Schmerzen waren plötzlich vergessen. Es blieb nur Erleichterung, Dankbarkeit und das Wissen, etwas geschafft zu haben, das mir am Morgen noch unvorstellbar weit entfernt erschienen war.
Mein erster Gedanke war:
„Nie wieder.“
Mein zweiter vermutlich:
„Nächstes Jahr mache ich es besser.“
So sind wir Ausdauersportler wohl. Wir vergessen erstaunlich schnell, wie weh es getan hat, und erinnern uns stattdessen an die Momente, in denen wir über uns hinausgewachsen sind.
Im Nachhinein habe ich die Auswirkungen dieses Rennens sogar unterschätzt. Fast eine Woche dauerte es, bis ich mich wieder halbwegs erholt hatte. Nach dem Rennen standen noch rund 35 Stunden Reisezeit zurück nach Europa an. Dazu kamen Jetlag, Erschöpfung und schließlich eine Erkältung. Trotzdem bleibt vor allem eines in Erinnerung: Unbound war eines der eindrücklichsten Erlebnisse meiner bisherigen Karriere.
Nicht wegen der Platzierung. Nicht wegen der Distanz. Sondern wegen all der Hürden, die es zu überwinden galt – auf dem Rad und im Kopf.
Denn manchmal geht es im Sport nicht darum, die Schnellste zu sein. Manchmal geht es einfach darum, weiterzumachen, obwohl alles in einem danach schreit, aufzuhören.


MEIN REZEPT FÜR SIE: ERDBEER-GAZPACHO – DIE PERFEKTE ABKÜHLUNG FÜR HEISSE TAGE
Wenn die Temperaturen steigen, habe ich oft keine Lust auf schwere oder warme Gerichte. Diese Erdbeer-Gazpacho ist deshalb mein Sommer-Favorit: fruchtig, erfrischend und in wenigen Minuten zubereitet. Die Kombination aus Erdbeeren, Tomaten und Gurke macht sie besonders leicht und sorgt für die Extraportion Frische.

ZUTATEN:
- 500 g Erdbeeren
- 300 g Tomaten
- 1 rote Spitzpaprika
- 1 Salatgurke
- 2 Knoblauchzehe
- Frisches Basilikum
- 3 EL Olivenöl
- Salz & Pfeffer
- optional etwas Chili
- frisches Brot zum Servieren
ZUBEREITUNG:
- Erdbeeren, Tomaten, Paprika und Gurke grob schneiden. Zusammen mit Knoblauch, Basilikum und optional Chili in den Mixer geben und fein pürieren. Olivenöl dazugeben, mit Salz und Pfeffer abschmecken und die Gazpacho mindestens
30 Minuten kaltstellen. - Vor dem Servieren mit etwas Basilikum und einem Schuss Olivenöl garnieren. Dazu passt frisches, knuspriges Brot perfekt.
MEIN TIPP:
Wer die Gazpacho etwas sättigender und proteinreicher machen möchte, kann sie mit zerbröseltem Feta oder einem Löffel körnigem Frischkäse toppen. Passt geschmacklich hervorragend zur fruchtigen Frische der Suppe.

