17. September 2026 | Aktuelles
FAMILIE HIEBER: „SO VIELE ERINNERUNGEN AN DAMALS!“
Jörg Hieber: ,,Erfülle dir deinen Traum oder vergesse deinen Traum“.
Als uns klar wurde, dass wir mit dem LÄDELE nicht die Eigenmittel für eine Konditorei Kaffee erwirtschaften können, mussten wir eine Entscheidung treffen. Die Edeka hat uns in Lörrach Bergstraße einen Markt mit 130 Quadratmeter Verkaufsfläche angeboten. Der Markt war abgewirtschaftet und hatte einen schlechten Ruf.
Ich musste alle Register ziehen, um den Markt zum Laufen zu bringen. Vor Ladenöffnung vorbestellte Brötchentüten am Hühnerberg ausgefahren, geklingelt und die Tüten abgelegt. Bezahlt wurde per Monatsrechnung. Zwei Mal im Jahr, Februar und September, war die ganze Bergstraße Jahrmarkt. Die Kunden konnten in dieser Zeit nur sehr begrenzt zu uns kommen. Ich musste mir was einfallen lassen. Von einem Geflügel-Lieferanten konnte ich 2 Holzofen-Grill ausleihen. Pro Grill 8 Stäbe à 8 Hähnchen. Das war ein absoluter Volltreffer… aber die angrenzenden Aussteller waren nicht sehr erfreut. Der Ruß legte sich auf die ausgelegte Waren. Der Nachbarstand hatte großartiges Geschirr in der Auslage, er hat am ersten Tag abgebaut und kam nie wieder.

Ich musste mir was Neues einfallen lassen, ich musste ja den fehlenden Umsatz irgendwie reinholen. Die Lösung, Allgäuer Emmentaler. 80 Kg Laibe, direkt vom Rad abgeschnitten. Ich wurde zu einem richtigen Marktschreier und hatte Erfolg. Dann kam noch ein großer Obst- und Gemüse Stand, eine Theke für Wurstwaren dazu. Der Umsatz war gerettet.
1971 hat meine Frau eine Kundin, die im Verkauf tätig war, angesprochen, ob sie nicht Lust hätte, den Laden zu übernehmen. Sie sagte zu, übernahm den Laden in Höllstein einschließlich der Wohnung. Dann der Umzug nach Binzen.
1971 kam der Markt auf dem Salzert in Lörrach mit schon 240 Quadratmeter Verkaufsfläche dazu. Zu der Zeit ein sehr schöner moderner Markt, aber am total falschen Platz. Der Markt war unten am Berg und die Kunden mussten mit vollgepackter Tasche den Berg hochgehen.
Ich begann, Ware nach Hause zu liefern. Nach Ladenschluss den VW Bus vollgepackt und Ware verfahren. Ich kannte fast jedes Haus und Treppenhaus auf dem Salzert. Das war sehr sportlich. Am 24. Dezember 1984… Heiligabend, kurz vor 14 Uhr. Unterm linken Arm einen Karton mit Ware, rechte Hand eine Kiste Mineralwasser und eine Kiste Bier. Oben am 4. Stock angekommen, rutscht mir die Kiste Bier aus der Hand. Vom 4. Stock bis in den Keller Scherben und Bier. Türen gingen auf….was soll der Lärm, es ist Heiligabend. Türe zu. Statt mir Putzzeug zu geben, schimpfen sie, ab in den Markt eine neue Kiste Bier und Putzzeug geholt. Treppenhaus bis in den Keller gereinigt. Ich saß unten auf der Treppe und hatte Tränen in den Augen. Da habe ich mir geschworen…du fährst nie wieder irgendwelche Waren zu irgendwelchen Menschen.
Bergstraße und Salzert waren harte, lehrreiche, aber auch schöne Jahre. In dieser Zeit habe ich tolle, dankbare Kunden kennen und schätzen gelernt. Viele Kunden sind uns gefolgt, als wir in der Weiler Straße in Lörrach einen neuen Markt eröffneten. Das ist nicht selbstverständlich… vielen Dank. Mit dem Markt gingen wir komplett neue Wege und der Markt wurde mehrfach ausgezeichnet. Die Märkte Bergstraße und Salzert konnten wir abgeben.
Eine neue Ära hat begonnen.

Fazit …. Ich habe einen neuen Traum erlebt und blicke mit Dankbarkeit auf 60zig erfolgreiche Jahre zurück. Auch kann ich sagen, dass ich mein Eheversprechen, das ich meiner Frau vor 63 Jahren gab, eingehalten habe.
Bei mir wird es nie langweilig werden.
Ihr Jörg Hieber
Dieter Hieber: ,„Manche Erinnerungen riechen nach frischem Brot und flüssiger Schokolade.“
Im Alter von etwa neun Jahren musste ich jeden Mittwoch mit dem Fahrrad nach Schallbach fahren und dort Flugblätter verteilen. Diese Aufgabe durfte ich über mehrere Jahre hinweg übernehmen. Damals gehörte das einfach dazu.
Das absolute Highlight des Jahres war jedoch der Duft von flüssiger Schokolade, wenn mein Vater abends die selbstgemachten Osterhasen gegossen hat. Vor allem die weiße Schokolade war einfach ein Traum. Während Papa die Osterhasen goss, verpackte Mama sie anschließend sorgfältig in Klarsichttüten. Verkauft wurden sie dann im Laden und auf verschiedenen Messen. 1981 wurde der Markt in der Fischinger Straße eröffnet. Mit einer Verkaufsfläche von 400 statt zuvor 130 Quadratmetern war er damals etwas ganz Besonderes. Für die damalige Zeit war der Markt hochmodern und zukunftsweisend. Er wurde von Fachleuten aus der gesamten Branche besichtigt und sogar auf der ANUGA als „Markt der Zukunft“ vorgestellt.

An diesen Markt habe ich die meisten Erinnerungen. Jeden Montag, wenn Warentag war, musste ich mithelfen. In der Mittagspause nahm ich die EDEKA-Ware an, zog die Rollbehälter in den Markt und stapelte die Waren vor den Regalen, damit sie eingeräumt werden konnten. Viele kleine Dinge sind mir bis heute besonders in Erinnerung geblieben. Das Leergut wurde damals noch von Hand angenommen. Die Kunden erhielten kleine Kunststoff-Pfandmarken oder handgeschriebene Leergutbons. Ein kleiner Lasser-Notizblock gehörte deshalb zur Grundausstattung jedes Mitarbeiters. Das Leergut wurde in Flaschenkörben gesammelt und anschließend ins Lager gebracht.
Zur Standardausrüstung gehörten außerdem ein Cuttermesser, ein Kugelschreiber und der Notizblock. Und schon damals – genauso wie heute – gehörten beim Verräumen der Ware ein Eimer und ein Putzlappen zur Pflichtausstattung jedes Mitarbeiters.
Besonders gut erinnere ich mich an die Einführung des ersten Brötchenbackofens in einer Supermarkt-Backstation. Mein Vater hatte den Ofen auf einer Messe entdeckt, war sofort überzeugt und packte ihn kurzerhand in den Bus. Zwei Tage später wurde ein Loch in die Rückwand des Backstands gemacht und der Ofen eingebaut. So schnell und unkompliziert ging das damals noch. Heute müssten vermutlich unzählige Anträge gestellt, Genehmigungen eingeholt und sämtliche technischen Anforderungen erfüllt werden.
Die wohl beste Diebstahlüberwachung hatten wir damals in Form meines Großvaters Leo Hieber, ehemaliger Polizeibeamter, der direkt über dem Markt wohnte. Er hatte stets alles im Blick – besser als jede Kamera.

Eine weniger schöne, aber sehr effektive Erinnerung war das Verdichten des Mülls. Jeden Tag musste einer von uns in die große Mülltonne steigen und den Müll kräftig feststampfen, damit möglichst viel hineinpasste.
Die Mülltonne in Binzen war damals allerdings schon ein Fortschritt. Davor, in den Märkten in der Bergstraße und auf dem Salzert, musste mein Vater den Müll täglich mit dem VW-Bus zur Mülldeponie bringen. Anschließend wurde der Bus jedes Mal gründlich gereinigt.
Der VW-Bus war vom ersten Modell bis zum T5 ein ständiger Begleiter unserer Familie. Er wurde für den Mülltransport, die Warenauslieferung, Skiausflüge und Urlaubsreisen genutzt. Besonders gut erinnere ich mich daran, wie Papa uns Kinder oft im Laderaum – ganz ohne Sitze oder Sicherheitsgurte – nach Lörrach ins Schwimmbad gefahren hat. In den Kurven wurden wir im Laderaum hin und her geschleudert. Für uns war das damals das Größte und ein riesiger Spaß.
Jeden Morgen fuhr mein Vater zur Bäckerei Schneider nach Schallbach und holte dort das frische Kastenbrot. Auf dem Rückweg machte er kurz zu Hause Halt und brachte uns ein noch warmes Brot mit. Eine Scheibe davon mit Nutella – besser konnte ein Tag für uns Kinder kaum beginnen.
Ihr Dieter Hieber
Anneliese Hieber: ,,Warum Lebensmittel?
Wir beide arbeiteten im Café Hamm in Weil am Rhein. An einem Samstag in der Mittagspause kam mein Mann zu mir und zeigte mir ein Inserat in der Badischen Zeitung. Lebensmittelgeschäft mit 3-Zimmer-Wohnung zu verpachten. Ich war entsetzt … auf keinen Fall Lebensmittel, da stinkt es nach Waschpulver. Er überredete mich, es sei nur für ein paar Jahre, bis wir die Eigenmittel für ein Konditorei-Café beisammen haben.

So landeten wir in Höllstein.
Durch meine Tätigkeit im Cafe Hamm lernte ich viele Verkäufer von Süßwarenspezialitäten kennen. Als ich denen erzählte, dass wir uns selbstständig machen, versprachen sie mir, sie würden uns beliefern.
Sie lieferten Sprengel, Bahlsen-Kekse, großartige Pralinen usw.
In Höllstein war die Textilfabrik Merian. Dort arbeiteten viele italienische Gastarbeiter.
Der Weg zur Arbeit führte einige an uns vorbei, und sie kauften bei uns ein. Durch ihre Wünsche nach italienischen Produkten vergrößerte sich unser Sortiment immer mehr. Wir lernten neue Gemüsesorten kennen. Tomaten in Dosen, Salami, Parmakäse und Schinken, Olivenöl und vielerlei Teigwaren. Nicht alle konnten gut Deutsch. Also begann ich einen Sprachkurs in der Sprachschule Förderer in Lörrach, in der ich schon früher war. Ich war schwanger, und meine Lehrerin hat gelacht und gesagt, das Kind wird sicher sprachbegabt.

War es das, was ich wollte … was wir wollten? Ja, wir waren selbstständig, hatten endlich eine eigene Wohnung. Wir waren eine Familie, hatten nach drei Jahren das zweite Kind, viel Arbeit und finanzielle Sorgen.
Zum Glück hatten wir sehr nette, verständnisvolle Nachbarn. Wenn es eng wurde, konnte ich die Kinder dort abgeben, sie wurden dort bestens versorgt.
Die Tochter der Nachbarn hieß Bärbel, sie war noch sehr jung, konnte aber sehr gut mit den Kindern umgehen.
Ohne die Unterstützung der Nachbarn hätte ich es nicht geschafft.
Mein Mann erklärte mir, dass wir so weder einen Grundstock für eine eigene Konditorei erarbeiten konnten, noch unseren Verpflichtungen nachkommen konnten. Er kaufte Marzipan und Kuvertüre. Nach Ladenschluss und am Wochenende modellierte er verschiedene Marzipanfiguren, goss Osterhasen und Weihnachtsmänner. Die Produkte musste ich an den monatlichen Warenbörsen der REWE anbieten, wo sie sehr gut angenommen wurden.
Es waren harte Zeiten. Die Wohnung über dem Laden, ich rannte hoch und runter.
Eines Tages fragte ein italienisches Mädchen, welches oft mit seiner Mutter einkaufte, ob sie nicht bei uns eine Lehre machen dürfe, sonst müsse sie auch nach der Schule in der Fabrik arbeiten wie ihre Eltern. Wir nahmen sie gerne und kurz danach noch ein Mädchen aus dem Dorf, dazu noch eine Frau, die halbtags arbeiten wollte.

Es kamen immer mehr Höllsteiner zum Einkaufen, der Laden lief gut. Aber dann bot man uns in Lörrach einen etwas größeren Markt in der Bergstraße an. Mein Mann sagte zu. Schön für ihn, schlecht für mich. Ich hatte Kinder, ein Lehrmädchen, eine halbtags arbeitende Frau und den Laden. Irgendwann habe ich eine Kundin gefragt: „Wollen Sie nicht meinen Laden übernehmen? Es ist mir zu viel.“ Und sie hat es getan. Wir mussten auch die Wohnung aufgeben.
Bekannte erzählten uns, in Binzen stehen schon lange Bungalows leer, die waren recht günstig. Die Lage war super, in nächster Nähe Kindergarten und Schule.
Die Häuser füllten sich schnell, fast alle hatten gleichaltrige Kinder, das war günstig, eine Frau war meistens da und kümmerte sich um die Kinder. Ich fuhr stundenweise nach Lörrach in die Bergstraße und half meinem Mann.
Eines Tages kam Herr Schnaufer, der einen Lebensmittelmarkt in Binzen hatte. Er fragte mich, ob ich nicht seinen Markt übernehmen wolle. Er und seine Frau möchten altersbedingt aufhören. Wir haben ihn übernommen. Wir stellten den Markt um, er brummte. Die Arbeit war mühsam, das Lager im Keller und nur durch eine Wendeltreppe begehbar. Für die Ware gab es einen Aufzug. Leichtere Artikel wie Toilettenpapier im ersten Stock waren auch nur per Wendeltreppe zu erreichen.
Zufällig habe ich erfahren, dass im Ort an der Fischinger Straße ein Bauernhof zum Verkauf stand. Wir nahmen sofort Kontakt auf, kauften und ließen das Haus abreißen. Wir bauten einen neuen, schönen Markt, den führten wir 10 Jahre. Er war sehr vielfältig, viel Non-Food, Spielwaren, Blumen, für die Größe ein Riesensortiment. Das brachte sehr viel Verkehr in die Fischingerstraße und wir wollten erweitern. Aber Bürgermeister Herr May meinte: „Ihr bringt zu viel Frequenz in die Strasse, ihr müsst ans Ende des Dorfes.“ So kam es zum jetzigen Standort.
Heute wohnen wir über dem Markt am Kandernweg. Es ist unsere Altersresidenz.
Ihre Annelies Hieber





