3. September 2026 | GESICHTER MIT GESCHICHTEN
IMMER DER NASE NACH
HELFER AUF VIER PFOTEN UND ZWEI BEINEN – DIE RETTUNGSHUNDESTAFFEL MALTESER WIESENTAL
Ein Waldstück oberhalb von Hägelberg. Die Luft ist mild, die Sonne scheint. Hunde wuseln auf einer kleinen Waldwegkreuzung umher. Mittendrin steht Dr. Anne Reinle mit einem Clipboard in der Hand. Während die Vierbeiner ihre Freiheit genießen, bespricht die Leiterin der Rettungshundestaffel mit ihren Mitstreiterinnen das anstehende Training. Zweimal in der Woche findet das statt: Einmal auf dem Hundeplatz, samstags in freier Natur.
Es ist Samstagmorgen, acht Uhr. Bis auf zwei Mitstreiterinnen und den einzigen Hundeführer der Gruppe haben es alle geschafft. Einigen ist die Müdigkeit anzusehen. Verständlicherweise. „Wir mussten gestern gegen 22 Uhr ausrücken“, sagt Anne Reinle. Also runter vom Sofa, den Hund aktivieren und losfahren. Die gesuchte Person wurde zwar unversehrt aufgefunden, bevor die Staffel am Einsatzort eintraf, „aber das macht die Nacht nicht länger“. Vor Mitternacht war keines der Teams aus Mensch und Hund wieder zu Hause.
Die Rettungshundestaffel Malteser Wiesental besteht seit 2012. Zentrale Anlaufstelle ist Maulburg. Dort steht der Transporter, mit dem sie zu Einsätzen fahren. Aktuell ist es ein Ersatzfahrzeug, denn die Staffel braucht einen neuen Bus. Deshalb freuen sie sich sehr über den Preis der HIEBER-Stiftung. Die Wiesentäler sind eine von drei sogenannten Primärstaffeln im Landkreis Lörrach. Diese werden bei Notfällen zuerst alarmiert. „Reicht das nicht aus, werden Staffeln aus angrenzenden Kreisen angefordert“, erläutert Anne Reinle. Im heimischen Landkreis haben neben den Maltesern auch das Deutsche Rote Kreuz in Lörrach und der Bundesverband Rettungshunde (BRH) in Efringen-Kirchen Rettungshundestaffeln, die bei Einsätzen partnerschaftlich zusammenarbeiten.
Im Trainingsplan ist jedem Team eine Aufgabe zugeteilt, die darüber bestimmt, wo und wie sich jemand im Wald zu verstecken hat, um vom Hund gefunden zu werden. „Das hängt auch vom Ausbildungsstand ab“, sagt Alexandra Streich, die mit ihrem Mylo jetzt an der Reihe ist. Während sie ihn ablenkt, schleicht sich Alexandra Hauser in den Wald und klettert wenige Meter links vom Weg auf eine umgestürzte Wurzel. Alexandra Streich wartet noch ein paar Sekunden, dann gibt sie Mylo mit ihrer Hand eine Richtung vor und schickt ihn los. Der schwarze Labrador-Retriever, der seine Rettungshundeprüfung noch vor sich hat, trabt den Weg entlang und springt dann nach links. Nur wenige Augenblicke später ist sein aufgeregtes Bellen zu hören. Für die erfahrene Hundeführerin das Signal: Er ist fündig geworden.

Mylo ist ein Verbeller. Das heißt, er zeigt seinen Standort – und damit auch den seines Fundes – mit Bellen an. Rückverweiser finden die gesuchte Person und laufen zurück, um den Hundeführer zum Fundort zu leiten. Laika, die mit Anne-Maria Hähndel ein Team bildet, arbeitet so. Als sie an der Reihe ist, umrundet sie die gesuchte Person einmal, dann spurtet sie zurück. Wie nach jeder erfolgreichen Aktion stehen dann Spiel und Belohnung auf dem Programm.
Alarmiert wird die Rettungshundestaffel Wiesental von der Rettungsleitstelle, wenn Menschen vermisst werden und ein konkretes Suchgebiet vorliegt. „Das kann eine Seniorin sein, die nach einem Spaziergang nicht mehr ins Wohnheim zurückkehrt oder ein Pilzsammler, der sich im Wald verirrt hat und vermisst wird“, sagt Anne Reinle.

MALTESER RETTUNGSHUNDESTAFFEL
Unsere Rettungshundestaffel wird zur Suche vermisster Personen alarmiert – das sind u.a. auch Kinder oder Jugendliche, die vom Spielen nicht mehr nach Hause gekommen sind, evtl. weggelaufen sind oder bei (Liebes-) Kummer drohen sich selbst etwas anzutun.
Malteser Hilfsdienst e.V.
Gündenhausen 31
79650 Schopfheim
E-Mail: Ehrenamt.Wiesental@malteser.org





