25. September 2026 |

NORDIC GRAVEL SERIES IN FINNLAND

FIT & FRISCH MIT CLARA KOPPENBURG

Bereits zum zweiten Mal reiste ich dieses Jahr nach Finnland und die Vorfreude war groß, nachdem es mir beim letzten Mal bereits so gut gefallen hatte: die Atmosphäre, die Landschaft… Ende September und Mitte Mai trennen eben doch viele Regentropfen und etwa 15 Grad… dennoch hatte das Rennwochenende unter dem Motto „Ride of the Falling Leaves“ alles für mich zu bieten: Sauna und ein kurzer Dip im kalten See, viel Regen, furchtbares Mensa-Essen, einen gigantischen Fisch – und am Ende tatsächlich den Sieg.

Vor allem war es aber ein Wochenende, das sich tief in mein Gedächtnis eingebrannt hat. Weil es mir einmal mehr gezeigt hat, wozu wir fähig sind, wenn wir aufhören zu zweifeln, den Kopf ausschalten und bereit sind, über die eigene Schmerzgrenze hinauszugehen.

Donnerstag: Regen auf der Haut, Fisch an der Angel
Am Donnerstag kamen wir an und fuhren uns direkt ein. Eineinhalb Stunden im strömenden Regen. Einladend ist anders, aber ehrlich gesagt: Genau das macht unseren Sport aus. Man steht im Schlamm, friert – und grinst trotzdem irgendwie.

Nach dem Training ging es mit meinem Teamkollegen Jan noch an den See. Er hat schon die ganze Reise begeistert von seiner Angelausrüstung erzählt. Da ich wirklich gar nichts damit am Hut habe, dachte ich schon: Super, jetzt sitzen wir hier stundenlang und starren auf den ruhigen See, ohne Erfolg. Doch es kam anders: Erster Wurf, Zack – direkt ein richtig dicker Fisch an der Angel!

Samstag: 175 Kilometer und das falsche Gefühl im Ziel
Am Samstag ging es dann ums Ganze: 175 Kilometer Gravel. Die ersten 80 Kilometer war ich immer gut vorne dabei, habe mich stark gefühlt und hatte Spaß.

In einem technischen Singletrail passierte es dann: Ein kleiner Fehler, eine Sekunde Unachtsamkeit, und plötzlich war da eine Lücke zur Spitze. Wir haben versucht nachzusetzen, aber in meiner Gruppe fehlte der letzte Biss. Niemand wollte mehr so richtig tiefgehen, um das Loch zuzufahren.

Am Ende überquerte ich als Neunte die Ziellinie. Platz neun ist keineswegs schlecht – aber ich war frustriert. Nicht wegen der Platzierung, sondern wegen des Gefühls in mir. Ich hatte nicht alles gegeben. Natürlich war ich kaputt nach 175 Kilometern, aber in den entscheidenden Momenten wäre noch was im Tank gewesen.

Ich liebe es, nach einem Rennen völlig platt im Gras zu liegen und zu wissen, dass absolut nichts mehr ging. Selbst wenn das Ergebnis dann nicht stimmt, bin ich im Reinen mit mir. Aber am Samstag wusste ich: Ich bin unter meinen Möglichkeiten geblieben. Und genau dieser Frust war der Treibstoff, den ich für den nächsten Tag brauchte.

Sonntag: 145 Kilometer, Schmerz und der absolute Fokus
Neuer Tag, neues Glück. 145 Kilometer standen an. Wieder kalt, wieder Nieselregen. Aber diesmal war mir das Wetter völlig egal. Ich wollte nicht nur mitfahren – ich wollte dieses Rennen selbst diktieren. Am Morgen habe ich noch eine SMS von Papa bekommen: „Heute ist dein Tag – hab dich lieb.“ Und das habe ich mir im Rennen ununterbrochen selbst zugesprochen.

Die ersten 70 Kilometer verliefen ruhig. Die Beine fühlten sich gut an, also fasste ich einen Entschluss: Jetzt oder nie.Ich setzte eine harte Attacke. Fünf Minuten All-Out, Blick starr nach vorne, kein Schulterblick. Als ich mich umdrehte, sah ich: Die Attacke hatte gesessen. Wir waren nur noch zu dritt.

Dann das Chaos: Wir wurden im Wald falsch geleitet und fuhren einen Umweg. Zwei Fahrerinnen schlossen wieder zu uns auf. Kurz ärgerte ich mich, dann sagte ich mir selbst: Zu fünft ist besser als zu dritt. Lieber zwei weitere starke Fahrerinnen bei mir, die vorne Führungsarbeit leisten können, als dass sie mich von hinten jagen.

Auf den nächsten 60 Kilometern fing ich an zu beobachten: Wer kreiselt mit? Wer spart Kräfte? Eine Holländerin und ich schufteten fast durchgehend an der Spitze, während die anderen sich bedeckt hielten. Schonten sie sich clever fürs Finale oder pfiffen sie aus dem letzten Loch? Egal. Ich hatte meinen Plan längst im Kopf.

Der Showdown auf den letzten sechs Kilometern
Ich wusste, dass die letzten sechs Kilometer die Hölle werden würden: Schmale Trails, nasse Wurzeln, kurze Steilstücke, rutschiges Gras und enge Kurven. Technisch extrem anspruchsvoll. Wenn ich gewinnen wollte, musste ich vor diesem Abschnitt wegkommen.

Sechs Kilometer vor Schluss zog ich an. Eine Minute so schnell, wie ich nur konnte. Als ich mich umblickte, war nur noch eine Konkurrentin an meinem Hinterrad. Ich übernahm sofort wieder die Führung. Ich wusste, dass sie technisch schwächer war, und wollte mir von niemandem das Tempo aufzwingen lassen. Ich fuhr, was die Lunge hergab. Die Oberschenkel brannten wie Feuer, der Boden war glatt wie Seife. Zweimal rutschte mir das Vorderrad auf nassen Wurzeln weg – im allerletzten Moment konnte ich den Sturz abfangen.

Und dann setzte dieser Zustand ein, für den wir all das machen: Der absolute Tunnel.

Ich spürte die Schmerzen nicht mehr. Die Müdigkeit war wie weggeblasen. Es gab nur noch mich, den Trail und diesen einen Gedanken: Ich will diesen Sieg. Ich war voller Adrenalin und gleichzeitig völlig ruhig im Kopf. Ich wollte mich selbst stolz machen – aber auch mein Team, meine Familie, meine Freunde und Sponsoren, die das ganze Wochenende an der Strecke standen und an mich geglaubt hatten.

Auf dem letzten Kilometer gab es kein Zögern mehr. Ich blendete alles aus, selbst meine Konkurrentin. Plötzlich gab es nur noch mich und ein paar hundert Meter bis zum Ziel.
Ich habe es geschafft.

Als ich über die Ziellinie fuhr, realisierte ich es erst gar nicht richtig: Ich hatte gewonnen.

Die Freude war riesig, aber das schönste Gefühl war ein anderes: Die absolute Gewissheit, alles gegeben zu haben. Kein Zweifel. Keine Ausreden. Ich war über meine Grenzen gegangen.

Dass sich mein gesamtes Umfeld danach mindestens genauso sehr mit mir gefreut hat, hat diesen Moment unbezahlbar gemacht.

Was ich aus Finnland mitnehme
Dieser Sieg war mehr für mich als der oberste Platz auf dem Podest. Er war der Beweis dafür, was passiert, wenn man aufhört, sich selbst kleinzuhalten. Der Samstag hat mir gezeigt, wie weh es tut, mit angezogener Handbremse zu fahren. Der Sonntag hat mir gezeigt, was möglich ist, wenn man das Herz in beide Hände nimmt und einfach macht.

Egal, was eure eigenen Ziellinien im Leben sind: Zweifelt nicht an euch. Geht raus, nehmt euer Schicksal selbst in die Hand und kämpft bis zum allerletzten Meter. Es lohnt sich immer.

MEIN IMMUN-BOOSTER:
GRÜNKOHL-APFEL-SALAT MIT ROTER BETE

Knackiger Grünkohl trifft auf süßen Apfel, fruchtige Orange und erdige Rote Bete – dazu cremiger Feta, karamellisierte Cashews und Granatapfelkerne. Ein farbenfroher Vitamin-Kick mit ordentlich Crunch und Geschmack.

ZUTATEN (für 4 Portionen):

Salat:

  • 400 g Grünkohl,
  • 150 g vorgekochte Rote Bete (gewürfelt)
  • 150 g Äpfel (gewürfelt)
  • 150 g Feta
  • 1 Handvoll karamellisierte Cashewnüsse
  • Kerne von 1 Granatapfel

Frucht-Dressing:

  • Saft 1 Orange
  • 2 EL Apfelessig
  • 2 TL Honig
  • 3 EL Olivenöl,
  • Salz & Pfeffer,
  • optional geriebener Knoblauch und etwas Chili

ZUBEREITUNG (15 Minuten):

  1. Grünkohl vorbereiten: Grünkohl von den harten Rippen zupfen, waschen und 2 Min. in Salzwasser blanchieren. Kalt abschrecken und gut abtropfen lassen.
  2. Dressing mixen: Alle Zutaten miteinander verrühren und abschmecken. 
  3. Anrichten: Grünkohl, Rote Bete und Apfel mit dem Dressing vermengen. Feta darüber bröseln und mit Cashews und Granatapfelkernen toppen.

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